Mein Weg der Heilung

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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 31. Okt 2015 21:04

Samstag 31.10.15
Und wenn dem kleinen Kerl all zu langweilig wird, dann stöbert er in alten Akten um sich die Zeit zu vertreiben. Beim stöbern kann es dann passieren, dass er, tief in seinen Schränken auch über Ordner stolpert, die mit „Geheim“ oder sogar „streng Geheim – nicht öffnen“ beschriftet sind. Da der kleine Kerl diese Ordner selbst angelegt hat, weiß - oder vermutet zumindest, was in jenen Ordnern abgelegt ist und das, was dort zu finden ist, macht ihm Angst. Was der kleine Kerl nun macht, das ist eigentlich gar nicht seine Art: er versucht alle Karteikarten, die zu diesem Ordner vorhanden sind zu vernichten. In der Regel gelingt ihm das natürlich nicht, und darum versucht er einfach nicht mehr an diesen Ordner zu denken und sich wieder zu beruhigen. Wenn in solchen Momenten gerade ein oder sogar mehrere Boten kommen, die Dinge berichten, die ihm dabei helfen, nicht mehr an diesen Ordner zu denken und/oder sich wieder zu beruhigen, Der kleine Kerl macht jetzt das, was er immer macht: Er legt eine Akte an und schreibt eine Karteikarte.
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 1. Nov 2015 16:43

Sonntag 1.11.15
Wenn er dann das Nächste mal über einen „streng Geheim – nicht öffnen“ Ordner stolpert und wieder Angst bekommt, dann sucht er in seinen Karteikarten, und findet schließlich auch jene, die er gesucht hat. Er zieht sich also die entsprechende Akte, und bekommt die Info: wenn die Boten, die aus den entsprechenden Türen kommen dir von jenen Begebenheiten erzählen, dann geht es Dir wieder besser. der kleine Kerl befielt den Boten nun also die entsprechen Dinge zu suchen und ihm davon zu berichten, damit er sich wieder beruhigen kann.
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 2. Nov 2015 17:19

Montag 2.11.15

Immer öfter schickt der kleine Kerl jetzt seine Boten aus, damit sie im die Nachrichten bringen, die ihn beruhigen und ihm helfen zu vergessen. Mit der Zeit wird er dann etwas seltsam. Er schreddert Akten die eigentlich noch gebraucht werden, macht Fehler beim anlegen seiner Karteikarten oder vergisst vollkommen welche zu schreiben. Das mag zu beginn ja auch ganz witzig sein, das Problem ist aber, dass der kleine Kerl nicht nur dafür zuständig ist sein kleines Zimmerchen in Ordnung zu halten, nein er hat auch die Oberaufsicht über das ganze Haus!
Normalerweise, beauftragt der kleine Kerl seine Botschafter sich entsprechend um das Haus zu kümmern: dem einen befiehlt er den Müll raus zubringen, dem anderen die Heizung an zu machen, wieder andere Putzen das Haus und lüften ab und an mal durch! Aber der kleine Kerl schreit nur noch in der Gegend herum und jagt die Boten immer wieder hinaus ihm die beruhigenden Nachrichten zu bringen. Das Haus aber verwahrlost in der zwischen Zeit immer mehr. Im Müll tummeln sich die Ratten, die Fenster sind zerbrochen und die ist Heizung kaputt! Den kleinen Kerl interessiert das aber nicht, er sitzt inzwischen total verängstigt in seiner Kammer und fürchtet sich immer mehr vor diesem Ordner, den er inzwischen schon nicht mehr finden kann, von dem er aber weiß, dass er da ist! Der Gedanke quält ihn und er tut alles, um nie wieder über diesen Ordner zu stolpern, von dem er nicht wirklich weiß was da drin steht, von dem er aber annimmt, dass es ihn umhauen würde, wenn er es wüsste!
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 3. Nov 2015 18:16

Dienstag 3.11.15

Auch wenn ich heute so gar nicht in Schreiblaune bin, möchte ich doch noch ein paar Worte zu unserem kleinen Kerl verlieren.
Mit der Jahren passiert nämlich etwas, was seltsames: Er denkt nicht mehr an den Ordner “streng Geheim – nicht öffnen! Sondern nur noch an seine Beruhigenden Nachrichten! Alles andere verliert an Bedeutung, das Haus verfällt Zusehens aber der kleine Kerl weiß keinen Ausweg. Er hat jetzt also die Wahl, entweder das Haus verfällt und wird zur unbewohnbaren Ruine, oder er verzichtet auf diese schon lange nicht mehr beruhigenden Nachrichten. Und machen wir uns eins bewusst: Selbst wenn der kleine Kerl vielleicht Hilfe und Rat von außen bekommen hat, letztendlich war er es doch ganz alleine, der die Kraft aufbrachte, seine Abhängigkeit von diesen Nachrichten zu überwinden!
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 4. Nov 2015 15:09

Mittwoch 4.11.15

Nachdem der kleine Kerl endlich seine Abhängigkeit nach den beruhigenden, aber krankmachenden Nachrichten überwunden hatte, begann er endlich mal wieder damit sein Haus in Ordnung zu bringen: Der Müll wurde mal wieder raus gebracht und die Ratten vertrieben, die zerschlagenen Fenster ausgetauscht, die Wände verputzt und neu tapeziert, selbst in seine Akten und Karteikarten brachte er wieder ein wenig Ordnung!
Das Haus, in dem der kleine Kerl sein Zimmerchen hat, sah wieder ganz manierlich aus, und die Anweisungen, die er seinen Boten erteile machten auch wieder Sinn. Der Ordner „streng Geheim – nicht öffnen“ war wieder weit weg, im hintersten Aktenschrank verstaut, und es gab nur noch wenige Karteikarten, die auf diesen Ordner verwiesen. Aber er war da und es war vollkommen klar, dass er irgendwann wieder darüber stolpern musste!
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 5. Nov 2015 17:49

Donnerstag 5.11.15
Und der Tag kam, an dem drei Boten gleichzeitig kamen. Jeder berichtete auf seine Weise über die selbe Begebenheit. Der Auftrag, den der kleine Kerl seinen Boten erteilte war: Besorgt mir eine saure Gurke!
Durch die Erste Tür kommt dann ein Bote angerannt, der meldet, ich sehe das Gurkenglas. Der kleine Kerl befielt jetzt also den Boten aus der sechsten Tür, das Gurkenglas zu öffnen und eine Gurke herauszunehmen. Durch die zweite Tür kommt ein Bote gerannt und meldet gehorsamst: Ich höre wie des Gurkenglas geöffnet wird und aus der dritten Tür kommt einer, der meldet, dass er eine Gurke riecht. Der kleine Kerl befielt also, dass die Gurke durch den Vordereingang in das Haus gebracht werden soll.
Durch die erste Tür bringt einer die Botschaft, ich sehe etwas das ist rund, dick und lang, und durch die fünfte Tür kommen Boten, die berichten, dass sie etwas rundes, dickes im Vordereingang des Hauses spüren.
Der kleine Kerl macht jetzt das, was er immer macht, er schaut als erstes in seinen Karteikasten, um zu sehen, ob er was passendes findet. Und er findet natürlich eine! Er holt sich den entsprechenden Ordner aus dem hintersten Schrank und öffnet ihn: streng geheim – nicht öffnen!
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 6. Nov 2015 18:28

Freitag 6.11.15

In seiner panischen Eile hatte der kleine Kerl eine Kleinigkeit übersehen: Grün! Rund, dick, lang und grün - aber der Ordner liegt bereits offen auf seinem Schreibtisch und die Akte, in der er zu lesen beginnt, enthält auch keine Informationen über saure Gurken.
Was nun geschieht, ist ihm noch nie passiert. Er hat beim lesen der Akte den Eindruck, als würden seine Boten im grade das, was er liest berichten. In der Akte liest er das sich etwas rundes, langes dem Vordereingang nähert – und gleichzeitig berichtet ein Bote, dass sich etwas langes rundes dem Vordereingang nähert. Ähnliche Nachrichten bekommt er aus allen sechs Türen, während er gleichzeitig derartiges in der Akte aus dem Ordner „streng geheim – nicht öffnen“ liest!
Beim weiterlesen der Akte, verarbeitet der Kleine Kerl dann jede weitere Information, als würde er grade in diesem Moment entsprechende Nachrichten von seinen Boten aus den sechs Türen bekommen!
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 7. Nov 2015 16:49

Samstag 7.11.15
Die Hoffnung, dass wenn er nur genug Akten lesen würde, er irgendwann den Ordner einfach wieder im Schrank verstauen könne und sich der Fall erledigt hätte, erwies sich als absolut trügerisch. Im Gegenteil, er wurde immer gereizter, und begann seine Boten anzupfeifen, dass ihn der ganze scheiß den sie ihm berichteten nicht interessierte, da er mit dem bearbeiten von Akten beschäftigt sei. Die Art und Weise wie der kleine Kerl diese Akten bearbeitete war aber höchst ineffektiv: Er nahm sich eine Akte aus dem Ordner „streng geheim- nicht öffnen“ las sie, um sie dann genau dort wieder abzulegen wo er sie hergeholt hatte!
Die einzige Veränderung die er dabei erreichte war, dass er immer gereizter wurde, ansonsten trat er aber auf der Stelle und kam keinen einzigen Schritt weiter. Irgendwann interessierten ihn auch die Nachrichten seiner Boten nicht mehr, und er begann erneut sein Haus zu vernachlässigen. Da er aber in einem seiner Ordner eine Akte fand, in der stand, wo das enden kann, beschloss er dieses mal einen anderen Weg zu gehen: Mein Weg der Heilung!
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 8. Nov 2015 18:49

Sonntag 8.11.15
Da mindestens eine Person die Metapher mit dem kleinen Kerl und den sechs Türen nicht nachvollziehen konnte, erlaube ich mir die Metapher, zum besseren Verständnis zu übersetzen.
Ich darf Vorstellen, der kleine Kerl: Mein Gehirn! Mit all seinen Erinnerungen die es abgespeichert hat, und all seinen Synapsen und Gefühlen, kann es letztendlich nur das bewerten was ihm Berichtet wird.
Die Türen sind die Nervenbahnen über die dem Gehirn Informationen zugetragen werden. Wir haben unsere fünf Sinne: sehen, hören, riechen schmecken und fühlen. Die sechste Tür ist mit Mein Körper beschriftet. Keine Ahnung wie viele einzelne Nervenbahnen aus dem Körper im Gehirn enden, das ist für die Geschichte von dem kleinen Kerl auch unerheblich, denn es geht allgemein um Körperwahrnehmung!
In dem Ordner „streng geheim – nicht öffnen“ sind die Einzelheiten meiner Vergewaltigung abgespeichert. Da ich aber mit acht Jahren überhaupt nicht in der Lage war ein derartiges Erlebnis zu verarbeiten, und auch keinerlei Hilfestellung bekam, habe ich alles was direkt damit zu tu hat tief in meinem Gehirn vergraben, und so weit es Möglich war alle Verbindungen zu dieser Begebenheit gekappt. Wann immer ich mich in meinem Leben diesem Bereich, in welcher Form auch immer näherte, reagierte ich verstört, ängstlich, gereizt...
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Re: Mein Weg der Heilung

Beitragvon Kolja Wlazik » 9. Nov 2015 16:07

Montag 9.11.15
Die beruhigenden Nachrichten, die mir meine Sinne dann vermittelten, habe ich dann in mich aufgesogen, nur um mein Trauma nicht in mir hochkommen zu lassen. In meinem Fall waren das Cannabis aber vor allem Alkohol!
Das Haus verfällt: Wenn ich persönlich auch relativ gut mit Cannabis umgehen konnte, war ich doch schwerer Alkoholiker! Die Folgen hab ich dann auch direkt in meinem Gehirn wahrnehmen können: Ich konnte mir die einfachsten Dinge nicht mehr merken! Als ich dann endlich die Kurve bekam und mit dem Saufen aufhörte, stand ich mehr oder weniger vor der Wahl entweder mit dem Saufen aufzuhören oder den Rest meines Lebens als Obdachloser zu verbringen!
Nachdem ich meine Alkoholabhängigkeit Überwunden habe, und sich mein Gehirn sich mit den Jahren wieder regeneriert hat, habe ich mein Leben oberflächlich betrachtet immer besser in den Griff bekommen. Ich habe zwei wundervolle Kinder und eine Frau bei der ich mich immer wieder Frage, womit habe ich einen so wundervollen Menschen eigentlich verdient?
Die saure Gurke: Es gab sie wirklich, die saure Gurke! Aber der eigentliche Trigger war ein Foto von dem Schlafzimmer des Täters Erich Buß in der Zeitung. Zehn Tage lang plagte ich mich mit dunklen Ahnungen und Gefühlen herum bevor die Gurke zuschlug.
Der Vordereingang ist natürlich mein Mund! Das Glas mit den sauren Gurken stand in meinem LKW neben dem Fahrersitz auf einer Anti – Rutsch - Matte. Ich wollte mir die ewige Süßigkeiten Fresserei abgewöhnen und dachte Gurken wären eine brauchbare Alternative. Es war keine Alternative, es war die Hölle...
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