Ich bin dann mal weg

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Ich bin dann mal weg

Beitragvon Andreas » 23. Aug 2015 19:56

Ich bin dann mal weg!
Ok ich zitiere selten Harpe Kerkeling, aber mit diesen Buchtitel hat er den Jakobsweg in Deutschland bekannt gemacht. Seit über Tausend Jahre pilgern Menschen an das Grab des heiligen Apostel Jakobus dem Älteren in Sant Jago de Compostella in Nordwest Spaniens. Sie pilgerten um für Ablass ihrer Sünden zu leiden, das ist es bei mir ehr weniger. Viele nahmen den langen beschwerlichen und gefährlichen Weg auf sich um für Heilung zu beten oder auch dafür zu danken. All diesen die vor mir den Weg gemacht haben fühle ich mich schon sehr viel mehr verbunden. Ein weiterer Grund für mich ist die Bitte um Frieden, für mich, meine Familie, und alle Geschöpfe des Universums.

Als ich an der Stelle war, an der Kolja sich jetzt befindet, Vollabsturz, hatte ich nicht das Glück, das ich gefragt wurde, was brauchst du jetzt, und mein Wunsch sofort gehört wurde. Klinik war es für mich nicht. Jeder hat seinen ganz eigenen Weg. Meiner wurde mir Klar. Eine spezielle Traumatherapie, bei einem Therapeutischen, mit dem ich gerne zusammen arbeiten wollte. Hab ich auch gefunden, Gott sei Dank. Leider sind heute die Therapeuten so überlastet, das Wartezeiten von 6-9 Monaten normal sind. Um diese Zeit zu überbrücken, habe ich mir Hilfe bei einem befreundeten Psychiater geholt. Er hat mich vor einer Klinikeinweisung bewahrt. Und der schien bereits umumgänglich. Die von ihm angebotenen Antidepressiva habe ich trotz aller Zweifel irgend wann eingenommen. Ich war krankgeschrieben, und habe wirklich alle Altgasgeschäfte, Aufgaben und meinen Bienenzuchtbetrieb aufgegeben müssen, es ging gar nichts mehr. In der folge bin ich im wahrsten sinne des Wortes verarmt.

Noch während der Einstellzeit der Medikamente, in tiefster Psychischer Krise, mit nicht unerheblichen Ausfallerscheinungen, saß ich in meiner Hütte und habe überlegt was jetzt kommt. Nur warten???????????????

Mir kam ein Besuch in einer Spanischen Bar vor 18 Jahren in den Sinn. Auf der Straße habe ich gerade meine ersten Pilger getroffen, und auch mit ihnen gesprochen. Als Rückgeld für meinen Caffe Solo erhielt ich eine 100 Peseten Münze auf deren Rückseite die Jakobsmuschel, das Zeichen der Pilger geprägt war. Beim einstecken dachte ich mir, die gebe ich nicht aus, mit der kaufe ich mir in dieser Bar einen Kaffee wenn ich diesen Weg mache. Und ich habe damals schon beschlossen dieses zu Fuß, von der eigenen Haustür aus zu tun. Man könnte sagen da hat der Weg mich das erste mal deutlich gerufen. Eben diese Münze suchte ich raus. Und als ich sie in den Händen hielt, wusste ich das jetzt die Zeit gekommen war, los zu gehen.

Nicht wenige hielten mich für verrückt, als sie hörten, das ich in meinem Zustand im Dezember auf so eine Reise gehen will. Für mich entscheidend war die Meinung meines Psychaters, er konnte meinen Zustand am besten beurteilen. Er hat mich erlebt, als ich ganz kurz vor der Klinikeinweisung stand. Er wusste, das ich nicht nur noch nicht eingestellte Antidepressiva nehme sondern außerdem wie ein Weltmeister Kiffe.
Sein Urteil lautete, NUR DU ENSCHEIDEST WO DEIN WEG LANG GEHT. Ich begleite dich nur. Entscheiden tust nur du. Und wenn dein Herz dir sagt tu es, dann tu es, weil es dann genau das ist was du jetzt brauchst. So Sinngemäß. Seine Privatnummer habe ich, und das wissen, wenn gar nichts mehr geht, ist er immer da für mich, welch eine Sicherheit. 5 Tage und die ersten 60 km von den 3500 die vor mir lagen, ich kam mir schon ein wenig größenwahnsinnig vor. Die Zweite Etappe wurde 3 Monate später schon 2 Tage länger. Und es war noch deutlicher, nach dem Gehen ging es mir besser als beim Start.

Als auf der 4. Etappe der Main erreicht war, bin ich erst so richtig auf dem Weg angekommen. In meiner mittlerweile begonnenen Therapie war das natürlich auch Thema, und auch aus dieser Sicht stellte sich heraus, das meine Entscheidung loszugehen nicht nur einfach richtig war, sondern wesentlicher Teil meiner Therapie seien würde.

Im November 2014 habe ich den Rain erreicht. 950Km auf dem Tacho, vor der Französischen Grenze. Noch 2500 bis zum Ziel. Nicht zuletzt durch die Veröffentlichung unseres Themas, und dem nachfolgend beginnenden Aufklärungsprozess, waren all meine Kräfte das letzte halbe Jahr sehr gebunden. Und das war auch gut so. Alles hat seine Zeit. Als mir bewusst wurde, das die Prozesse der letzten Wochen auch mich nicht unerheblich mitgenommen haben, ist mir klar geworden, das jetzt die Zeit gekommen ist weiter zu laufen.

Manche Pilger sagen mit jedem Schritt wird ein Teil Vergangenheit verarbeitet, oder Pilgern ist Beten (Bitten) mit den Füßen.

So habe ich vor einigen Wochen Beschlossen, am 6.9. geht es los. Bis dahin ist alles zu schaffen was vorher erledigt gehört. Zunächst hatte ich keinen Plan wie lange es sein würde, wie ich die Reise finanziere, und wie sonst so alles zu regeln ist. Dafür manifestierte sich immer mehr, ich will jetzt bis ans Ziel laufen. Drei Monate, ups. Manchmal überrascht mich meine eigene Traute, aber sehr spannend was passiert, wenn ich 3 Monate nur mich habe.

Um es nicht zu lange zu machen. In den letzten Wochen haben mir viele ungefragt ihre Unterstützung angeboten. Sehr liebe Freunde haben Opfer auf sich genommen, um mich finanziell zu unterstützen. Mit dem Ziel das ich jetzt nicht auch noch mit großen Geldsorgen umgehen muss. Aber auch einfach nur Mentale Unterstützung habe ich erhalten. Ich Danke allen dafür.

Ja und was zu beginn des Plans fast unmöglich schien, ist fast wie von alleine real geworden. Alles ist beisammen, letzte Erledigungen werden gemacht.Gepackt und geplant.

Ich bin dann mal weg.

Ach ja noch so am Rande, ich bin kein Katholik, noch nicht einmal Christ.
Und trotzdem erfahre ich Heilung auf dem Weg. Diese letzte große Etappe ist dann sicherlich auch erst mal ein großer Meilenstein auf dem Weg den ich gewählt habe um wieder ganz gesund zu werden.

Während meiner Abwesenheit, bin ich nur für meine Familie und die Kommission zu erreichen. Wenn ihr mir schreiben wollt, werde ich Mails die nach dem 14.9 eingehen erst im Dezember beantworten. Wenn was dringendes ist, erreicht ihr mich über Frau Burgsmüller oder Frau Thilmann.

So endgültig melde ich mich natürlich ab wenn es los geht.
Erstmal liebe Grüße
Andreas
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Re: Ich bin dann mal weg

Beitragvon Andreas » 30. Okt 2015 14:30

Hallo liebe Leute,
nicht alle Pläne sind in Erfüllung gegangen, wie das Leben halt manchmal so spielt.
Auf alle Fälle hatte ich eine etwas längere Auszeit, mit der Möglichkeit auszuruhen, und zu regenerieren. Diese Zeit war dringend notwendig.
Ab jetzt bin ich wieder voll bei der Sache, beantworte eure Emails und bringe mich wie gehabt in die weiteren Prozesse ein,
liebe Grüße
Andreas
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