… dafür danken wir euch

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… dafür danken wir euch

Beitragvon Admin » 28. Jan 2017 12:03

Da wären zuerst die beiden Damen zu nennen: Claudia Burgsmüller und Brigitte Tilmann von der externen Kommission zur Aufarbeitung. Ganz besonders bedanken wir uns auch bei Nina Apin von der „taz“, Katrin Pecher von „ML Mona Lisa“, Matthias Bartsch vom Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“, Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium Dr. Manuel Lösel, sowie beim Pressesprecher Stefan Löwer.
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Der Verdienst der beiden Damen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Immer waren sie peinlich genau darauf bedacht, ihre Neutralität zu wahren und doch waren sie unsere Vertreter. Wir (bzw. unsere Vorkämpfer) hatten die beiden Damen für die „Externe Kommission zur Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsfälle an der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Darmstadt“ ausgesucht. Von Anfang an akzeptierten sie die von den aktiven Betroffenen geforderte schonungslose Offenheit. Behutsam, immer auf unsere Bedürfnisse bedacht, verliefen die Gespräche mit ihnen. Und wenn ich von oraler Vergewaltigung sprach, dann sprachen und schrieben auch sie von oraler Vergewaltigung – und wenn der nächste Gesprächspartner kaum das Wort Missbrauch über die Lippen brachte, dann gaben sie auch diese verstörten Worte so wieder, dass auch der Letzte begreift wovon hier geredet wird, ohne dass man auch nur ein Detail erfährt. Dafür danken wir euch!

Wenn ich für meine Aussage von Krefeld mit dem Zug nach Wiesbaden kommen musste, dann reichte es, dass ich die Fahrkarte vorlegte und eine Quittung unterschrieb und ich bekam die Fahrtkosten sofort in bar erstattet. Wir Betroffenen sollten uns nicht mit dem Ministerium wegen Fahrtkosten herumschlagen müssen. Auch dafür danken wir euch!

Ich will gar nicht wissen, wie viele Gespräche sie geführt haben und wie viele Akten sie wälzten. Der 167 seitige Bericht, den sie am Ende vorlegten, schlug dann auch wie eine Bombe ein. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik wurde derart offen und schonungslos das totale Versagen von Eltern, Lehrern, Schulleitung, Schulamt, Staatsanwaltschaft, ja des gesamten Systems beim Namen genannt. Dafür danken wir euch!

Der Antrag auf das Schmerzensgeld war so gehalten, dass man ihn nicht hätte kürzer fassen können: Name, Anschrift, Geburtsdatum, Bankverbindung, von wann bis wann war man Schüler an der E-H-K-S und von wann bis wann Opfer von Erich Buß, ein kurzer Satz, dass man Opfer von Erich Buß war und dass man das Schmerzensgeld beantragt. Noch kürzer konnte man das nicht fassen, noch niedriger die Hemmschwelle für den Antrag nicht setzen. Dafür danken wir euch!

Dass ihr uns nicht in Opfer-Gruppen eingeteilt habt, sondern jeder das Schmerzensgeld symbolisch erhält, dafür danken wir euch!

Dass ihr es geschafft habt, den Entscheidungsträgern in der Politik klar zu machen, dass die Summe von 10 000 € nur symbolisch sein kann, weil allein der finanzielle Schaden sehr viel höher liegt, ist allein euer Verdienst und dafür danken wir euch!

Vor allem anderen aber, danken wir euch dafür, dass ihr einen Meilenstein zum Thema sexuelle Gewalt gesetzt habt.

Bedanken möchten wir uns auch ganz besonders bei Nina Apin von der „taz“. Sie war es, die uns vor allen anderen eine Stimme gegeben hat. Sie war es, die den Blick auf die Betroffenen gelenkt hat. Sie war es, die die Frage aufwarf, wie es den Betroffenen heute, nach 40 Jahren geht. Sie war es, die uns die gesamte Titelseite der bundesweit erscheinenden Tageszeitung „taz am wochenende“ gewidmet hat. Sie war es, die ihren Artikel so terminiert hat, dass er für uns die optimale Wirkung entfalten konnte. Ohne ihre Arbeit hätte es wohl kaum Aufklärung oder eine externe Kommission gegeben.

http://taz.de/!5016458/

http://www.taz.de/Archiv-Suche/!5340008 ... uss-Knapp/

Bedanken möchten wir uns aber auch bei Katrin Pecher von „ML Mona Lisa“. Sie hat sich sehr viel Zeit für ausführliche Vorgespräche genommen und die Dreharbeiten mit viel Ruhe gestaltet.

https://www.youtube.com/watch?v=JxUWiT1_lMk

Bedanken wollen wir uns auch bei Matthias Bartsch, vom Nachrichten Magazin „Der Spiegel“. In der Ausgabe Nr. 48 / 26.11.2016 gibt es einen vierseitigen Artikel über die Ereignisse an der Elly-Heuss-Knapp-Schule, zu dem auch mein Bruder (Andreas Ratz) und ich (Kolja Wlazik) unseren Beitrag geleistet haben. Aber auch die zweifelhafte Rolle, die unsere Mutter (ehemalige Trägerin der Ehrennadel in Gold der Stadt Bergisch Gladbach) gespielt hat, wird hier beleuchtet.

Matthias Bartsch gelingt es hier auf sehr feinfühlige Weise, den Blick immer wieder auf die Betroffenen zu lenken und trotzdem einen schockierenden Gesamtüberblick zu vermitteln.

https://magazin.spiegel.de/SP/2016/48/1 ... index.html

Ob wir wollen oder nicht, bedanken müssen wir uns auch beim Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, dem Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel, dem direkten Ansprechpartner der beiden Damen, Dr. Stephan Jeck, sowie dem Pressesprecher Stefan Löwer. Bedanken müssen wir uns, weil sie keine gravierenden Fehler gemacht haben und das ist für Politiker schon eine Leistung 😉 Aber noch immer sind sehr viele Fragen unbeantwortet, wenn sie auch zum Teil nicht in ihr Ressort fallen.
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